Er sagt | Sie sagt: Trash oder Treasure?

Im Stadthaus Zürich geht es um Kreislaufwirtschaft. Den Begriff verwendet Rebekka erst seit kurzem, das Konzept dahinter versteht sie aber bereits seit Jahren. Bei Sebastian ist es umgekehrt.

Sie sagt:

Tauschen statt kaufen, ins Brocki statt weg, sharen, repairen, recyclen: Die mittagspausengrosse Ausstellung führt die verschiedenen Ansätze eines zirkuläreren Zürichs in knapp zehn Stationen aus. Hier erfahre ich, dass eine Bohrmaschine in ihrem gesamten Bohrmaschinenleben nur durchschnittlich zwölf Minuten tatsächlich bohrt oder dass sich Schweizer:innen pro Jahr rund 60 neue Kleidungsstücke anschaffen. Es gibt viel persönliches Storytelling, etwa wenn uns der Versuch, einen defekten iPhone-Akku zu ersetzen, per Sprachnachricht erläutert wird, oder wenn die Gründerin von «unverpackt» von den Anfängen ihres Zero-Waste-Lifestyles erzählt.

Allgemein werden viele positive Beispiele genannt, «Freitag» natürlich oder die «Mission Kreislaufwirtschaft», die immer wieder mit kurzen Videos unterhält. Es werden auch historische Beweise geliefert dafür, dass es sich hier keineswegs um eine Modeerscheinung handelt. Im Wallis zum Beispiel sind seit dem 12. Jahrhundert kollektiv genutzte Bewässerungskanäle, die Suonen, im Einsatz. Und in Arles wurde ein römisches Amphitheater im 6. Jahrhundert in eine Siedlung mit 200 Häusern umgebaut. Mehr Urban Mining geht kaum.

Besonders nett fand ich auch die «Materialgeschichten»: Auf Stickern wird jeweils von der Vergangenheit der Ausstattungselemente erzählt. Ob als Wand am WEF, als Bestandteil eines Filmsets oder als Teil einer Wanderausstellung: Diese alten Kleidungsstücke, MDF-Platten oder Holzlatten haben schon einiges erlebt.

Am Ende der Ausstellung angekommen werde ich aufgefordert, zu notieren, was denn ich für Ideen hätte für eine ressourcenschonendere Welt. Beim Stöbern in den Zetteln verfestigt sich ein Gedanke, den die Macher:innen von «Zürich zirkulär» sicher nicht bei mir auslösen wollten. «Eigentlich mache ich das alles schon ziemlich gut». Seit meinen Zwanzigern nehme ich regelmässig an Kleidertauschs von Freundinnen teil und kaufe selten Neues. Ein Auto besitze ich keines, meinen letzten Laptop hatte ich zwölf Jahre und das Brocki ist meine erste Adresse für sowohl Neuan- als auch Altabschaffungen. Mag sein, dass dies eher finanziell als ideologisch begründet ist, aber wer sich diese fünf Kleidungsstücke im Monat heute noch leisten kann, ist mir eh schleierhaft. In diesem Sinne: Packen wirs an, fürs Portemonnaie und für den Planeten!

 

Zürich zirkulär. Zukunft mit Kreislaufwirtschaft.
Ausstellung im Stadthaus Zürich, Stadthausquai 17, 8001 Zürich
Eintritt frei

4. November 2025 bis 4. Juli 2026
Mo bis Fr 8–18 Uhr, Sa 9–12 Uhr
So und Feiertags geschlossen

Von Rebekka & Sebastian am 04. Juni 2026 veröffentlicht.

Mehr von unseren Scouts

«Ausbrennen ist eine Gefahr, aber ohne Brennen geht es auch nicht.»
23.04.2026

«Ausbrennen ist eine Gefahr, aber ohne Brennen geht es auch nicht.»

Der Zürcher Kurator Patrick Huber prägt seit Jahrzehnten Räume für Kunst abseits des Mainstreams. Im Kunstraum Walcheturm hält er seine Idee lebendig.

David Suivez
David Suivez
Mein erstes Mal ... im sogar Theater
12.10.2023

Mein erstes Mal ... im sogar Theater

Die Langstrasse kann sogar Theater! Dank einem graublauen Zauberwürfel, der sich hinter dem legendären Schuhgeschäft Peter & Vreni versteckt.

Gretta Bott
Gretta Bott
Konzerttipps für den September
20.08.2026

Konzerttipps für den September

Die Ferien sind längst Erinnerung, die Tage werden langsam kürzer und die Konzertnächte länger. Im September wirds tanzbar, wehmütig und punkig.

Claudia Peter
Claudia Peter

Mehr von deinen Scouts

Enno Rennenkampff
Enno Rennenkampff
Sonja Streifinger
Sonja Streifinger
Laura Tenchio
Laura Tenchio
Ilir Pinto
Ilir Pinto
Rio Wolta
Rio Wolta
Nadja Heinsius
Nadja Heinsius
Alle Scouts