Auf lila Fundament

Lynne Gbodjrou Kouassi färbt im Helmhaus nicht nur den Boden, sondern verschiebt Normen, Machtverhältnisse und Wahrnehmung gleich mit.

Gehäkelte Geschichte

In «witches’ study lounge» nähert man sich dem Boden körperlich. Grosse Häkelfiguren laden zum Verweilen und Lesen ein. Die Sitzsäcke orientieren sich an der 30.000 Jahre alten Venus von Willendorf – Kouassi fand dazu tatsächlich eine Häkelanleitung im Internet. Wer Platz nimmt, spürt Material und Gewicht. Die Grenze zwischen Betrachter:in und Kunst verschwimmt, während der Boden unter den Füssen und die Figuren die physische Dimension von Kunst erfahrbar machen.

Dass man die Geräusche riesiger westafrikanischer Schnecken, den Haustieren von Kouassi und ihrem Mann, dem Künstler Daniel Vollmond, aus einem hausähnlichen Glaskasten heraushört, mutet zunächst etwas befremdend an. Auch weil die Tonbandaufnahmen eher an das Geräusch eines Spechts erinnern, wenn die Tiere mit ihren riesigen Häuschen den Glaskasten touchieren.

Und man fragt sich, ist die Liaison des Giebels mit dem Panorama des Glockenturms vom Fraumünster gewollt oder Zufall? Wie auch immer: Die Schnecken passen zur «salbung», da sie in ihrer Fortbewegung den Boden einbalsamieren und weil es gefragte Cremes aus Schneckenschleim gibt.

Kouassi hat auch ein Faible für die Farbe Gelb. In der Installation «w:hole milk» hängen jeweils neun Nonnenkleider in verschiedenen Gelbtönen an einem wiederum gelben Faden. Für einmal mehr ist die Betrachtung integrativ: Man wird eingeladen, seinen ganz persönlichen Gelbton ausfindig zu machen. Die Künstlerin ist auf einer Porträtaufnahme zu sehen, in einer Robe in ihrem idealen Gelbton. Nonnenkleider sind farblich und was den Schnitt angeht, stark reglementiert. Gleichzeitig war das Nonnendasein lange Zeit eine Möglichkeit, sich von Männern zu emanzipieren und unabhängig zu leben. Ein Paradox, mit dem Kouassi in dieser Installation spielt.

Im Zusammenspiel aller Arbeiten wird deutlich, dass «salbung» weniger eine Abfolge einzelner Installationen ist als eine präzise gesetzte Machart des Raums selbst. Der Boden, die Farben, die Materialien und Vereinbarungen greifen ineinander und machen das Helmhaus zu einem Ort der bewussten Wahrnehmung.

Lynne Gbodjrou Kouassi salbung

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