Geld spielt keine Rolle 2.0

Bei den folgenden Empfehlungen ist der Einfluss von Geld sehr überschaubar. Die nächste Folge von Kultur für das kleine Portemonnaie.

Wahlpreise

Sowohl in der Gessnerallee wie im Theater Neumarkt gelten schon länger Wahlpreissysteme mit Schnupperpreisen von CHF 15/25/35. Meine Vorschläge: In der Gessnerallee verfolgt das Schauspiel-Projekt «Börsen handeln» am 17. und 18. Dezeber, wie Börsen mit ihrer Wachstumsideologie gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen. Spielerisch erklärt werden Anlagestrategien, Finanzinstrumente wie Derivate und Optionen oder Kryptowerte. Das Theater, mittendrin im Kapitalismus. Das ist doch was. Und im Neumarkt verhandelt das digitale Märchen red am 14. und 18. Dezember den Umgang mit dem Internet. Das hört sich so an: «Ich heisse Red. Statt im Wald verirre ich mich zuhause im Internet, spiele Videogames, poste auf TikTok Videos und lerne meine Follower in Chatrooms kennen. Das läuft so lange, bis mir ein Avatar namens Wolf schreibt.» ... Das hört sich nach einer guten Geschichte an. 

Das Schauspielhaus bietet ebenfalls Wahlpreise an, ausserdem kosten alle Vorstellungen montags immer die Hälfte. Das sind am 12. Dezember gleich zwei Produktionen: letztmalig im Schiffbau «Momo», hier eine Meditation über einen sorgsameren Umgang mit unserer Zeit und den Rückzug aus der ewigen Geschäftigkeit. Ausserdem marschieren im Pfauen in «Before the sky falls» Geister des Regenwaldes auf einen brasilianischen Macbeth zu ...

Kein Geld der Welt

Gar keine Rolle spielt das Geld beim «Musikalischen Adventskalender» im Foyer des Opernhaus Zürich. Bis zum 23. Dezember finden täglich um 17.30 Uhr kostenlose fünfzehnminütige Konzerte mit Künstler:innen der Philharmonia Zürich, des Opernhausensembles und des Internationalen Opernstudios statt. Wer früh kommt, mahlt zuerst. Denn erfahrungsgemäss sind die Adventskonzerte immer bis auf den letzten Platz besetzt. Ausserdem kosten Tickets für Kurzentschlossene am Opernhaustag zweimal im Monat die Hälfte und stehen am Vorstellungstag ab 11.30 Uhr online, telefonisch und an der Kasse zum Verkauf. Das sind am 16. Dezember der verrückte römische Kaiser Eliogabalo und am 22. Dezeber die traurige Mimi in La Bohéme.

Für Bücherwürmer

Am Ende noch ein Tipp für die Leser:innen unter euch: Stöbert in den Bücherwagen und Buchregalen beim Zirkus Chnopf, dem alten Bahnhof Letten an der Limmat oder vom Frühling bis in den Herbst in den Regalen vieler Badis überall in der Stadt. Es ist einfach verblüffend und sehr erfreulich, was man dort an kostenloser grosser Literatur finden kann!

Von Frank Wendler am 01. Dezember 2022 veröffentlicht.

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